Natur & Wetterphänomene Rückblicke und Analysen

„Heat Burst“ am 12.Juni in Greifswald

Bei der Auswertung der Datensätze verschiedener MV-Stationen für den vergangenen Monat fiel ein recht seltenes Phänomen auf, welches nachts in der Nähe abklingender Gewitter auftreten kann und einen starken, plötzlichen Temperaturanstieg + Abnahme des Taupunkts (Feuchtigkeit) zur Folge hat.

So geschehen in den frühen Morgenstunden des 12.06.2019 an der Wetterwarte Greifswald, als auf der Rückseite eines abziehenden mesoskaligen, konvektiven Systems (MCS, großer Gewitterkomplex) die Temperatur zwischen 5:00 MESZ und 5:10 MESZ, also in 10 Minuten und man beachte die Tageszeit, um knapp 5,5 Grad anstieg! Gleichzeitig fiel die relative Feuchte von 97 auf 65%. Über den Wind lässt sich leider nichts sagen, da das Gewitter vorher offenbar die Windmessung lahm gelegt hat. Typischerweise kommt es jedoch bei einem „heat burst“ zusätzlich zu starken Böen.

Ganz oben im Diagramm die markante Temperaturspitze (rot), sowie in der 2.Ebene die rel. Luftfeuchte (blau) und in der 5. Ebene der Luftdruckfall (blau).

Die Entstehung dieses Phänomens ist bislang nicht hundertprozentig geklärt. Grundlage sind Abwinde von trockenwarmer Luft aus höheren Schichten. Der letzte Niederschlag eines Gewitters fällt dabei in diesen Bereich trockener Luft, welche nun durch Verdunstung des Niederschlags abkühlt. Damit ist sie schwerer als die Umgebungsluft (jedoch immer noch vergleichsweise trocken) und fällt quasi zu Boden. Dieser Absinkprozess verläuft trockenadiabatisch, sprich pro 100 Höhenmeter Erwärmung um 1°C. Am Boden erfolgt dann die Wahrnehmung durch kurzzeitig extreme Temperaturspitzen, stark-böigem Wind und deutlichem Feuchterückgang + Druckabfall.

Im Prinzip funktioniert der „Hitzestoß“ wie Föhn, nur ohne Gebirge.

Ein noch extremeres Ereignis als zuletzt in Greifswald, wurde am 17.07.2007 von der Wetterstation Feldberg/Mecklenburg aufgezeichnet. Die Temperatur stieg gegen 5 Uhr innerhalb weniger Minuten von 21 auf knapp 31°C (!!!). Zudem fiel die Luftfeuchte von 80 auf 25% und es gab Böen bis knapp 85 km/h (Stärke 9).

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man davon ausgehen, dass die Messtechnik verrückt spielt. Doch auch dieser Fall passt ins Schema eines „heat bursts“. Auch andere Stationen in der Umgebung (bspw. Anklam, Greifswald, Greifswalder Oie) zeigten ähnliche Verläufe in der Temperaturkurve.

Quelle Diagramme: http://www.mtwetter.de/


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2 Kommentare

  1. Genauso wie Tornados keine Seltenheit mehr in Deutschland sind….ist diese Phänomen ebenfalls nichts besonderes…in meinen Augen…danke für die Ausarbeitung.

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