Klimadaten & Rekorde Rückblicke und Analysen

Schwerhitze-Tage in Mecklenburg-Vorpommern / 35°C mittlerweile im Schnitt fast jedes Jahr erreicht

Die Sommer werden auch bei uns in M-V und im Ostseeraum immer wärmer, einzelne Ausschläge nach unten durchbrechen diese Entwicklung, aber sorgen nicht für eine Trendumkehr. Hitzetage und Tropennächte kommen zunehmend häufiger vor. Im Referenzzeitraum 1961-1990 knackten im Flächenmittel von MV jährlich 2,6 Tage die 30°C-Marke, die neuere Vergleichsperiode bringt es auf 5,7 Tage.

Dazu die Zeitreihen für Hitzetage (seit 1881) und Tropennächte (seit 1951):

Seit den 1990er-Jahren ist die Zunahme der Hitzetage eindeutig zu erkennen. 2018 setzte sich mit 15,5 Hitzetagen im Gebietsmittel von M-V die Krone auf.
Tropennächte treten räumlich sehr unterschiedlich auf. In sehr warmen Sommern registrieren infolge hoher Wassertemperaturen der Ostsee fast immer Küstenorte und Inseln die meisten Tropennächte. Auch hier zeigt die Gebietsmittel-Grafik die stärksten Ausschläge in den letzten 30 Jahren.

Ergänzend sollen in diesem Beitrag die sogenannten „Schwerhitzetage“ betrachtet werden. Das Kriterium ist hierbei das Erreichen der Marke von 35,0°C Lufttemperatur. Zur Einordnung: Der absolute Temperaturrekord von M-V liegt bei 38,0°C (01.08.1994).

Ausgewertet wurden für die folgende Grafik 10-Jahres-Perioden seit 1881. Dargestellt ist die Anzahl jener Tage auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern. Es reicht also bereits, wenn eine kleine Region innerhalb des Bundeslandes von 35°C und mehr betroffen war. Zur besseren Vergleichbarkeit der Daten und Sicherstellung der Homogenität sind lediglich geprüfte und einwandfreie Temperaturwerte langjähriger Wetterstationen einbezogen worden.

Das letzte vollständige Jahrzehnt von 2011-2020 weist mit gleich 11 Schwerhitzetagen die Meisten auf. Nach einem ersten Maximum in den 1940er-Jahren ging die Anzahl zunächst zurück. Zwischen 1964 und 1982 blieben sogar 19 Jahre lang Temperaturen von mindestens 35°C komplett aus. Im Jahr 1965 lag beispielsweise das Jahresmaximum unter allen offiziellen Messstationen in M-V bei nur 28,2°C! Seit etwa 1990 zeigt die Kurve deutlich nach oben und das Niveau erreicht bisher nicht gekannte Höhen.

Ein paar weitere Statistiken zu „Schwerhitzetagen“ für Mecklenburg-Vorpommern:

  • Der früheste Tag im Jahr mit Tx >=35,0°C: 11.06.1937
  • Der späteste Tag im Jahr mit Tx >=35,0°C: 22.08.1943
  • Die längste Serie mit Tx >=35,0°C: 4 Tage, 09.-12.07.2010
  • Der Monat mit den meisten Tagen mit Tx >=35,0°C: 5, August 1943
  • Das Jahr mit den meisten Tagen mit Tx >=35,0°C: 5, 1943

Auffällig ist, dass einige Höchstmarken schon weit in der Vergangenheit liegen. Der August 1943 schafft es gleich in 3 Kategorien in die Rekordübersicht.

2022 wartet bisher mit einem Schwerhitzetag auf. Am 27. Juni wurde im Südosten lokal die Marke gerissen, Ueckermünde erreichte 35,1°C . Nächste Woche könnte es wieder soweit ein, wenn sich abgeschwächt ein Ableger der aktuell großen Hitzeglocke von Südwesteuropa auf den Weg nach Deutschland macht.

3 Kommentare

    1. So pauschal gibt es da keine Erklärung. Diese Zeit war durch gemäßigte Sommer mit häufigen Westströmungen vom Atlantik her geprägt. Die sogenannte „Zonalzirkulation“ war recht stark und stabil. Hitzevorstöße gab es zwar auch in Deutschland, aber kaum bis zu den Küsten. Die Wetterlagen gaben Temperaturen bis 35°C hier „oben“ nicht her.

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