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Die frühesten Sommer- und Hitzetage in Mecklenburg-Vorpommern / Ein Blick ins Klimadatenarchiv

Da der April ein Übergangsmonat von Winter zu Sommer ist, ist die Bandbreite der möglichen Wetterverhältnisse besonders groß. Die Sonne steigt nun immer höher, die Tage werden länger. Es kann bereits Anfang des Monats vorübergehend eine warme Luftmasse vorherrschen, wie in diesem Jahr zum Ostermontag noch im Osten Deutschlands. Es hängt alles von der Wetterlage, der Anströmung und Herkunft der zu uns wehenden Luftmasse ab. Auch wenn die Sonne zunehmend an „Power“ gewinnt, ist eine Erwärmung einer typisch norddeutschen maritimen Luftmasse auf 25 oder 30°C im April hier vor Ort noch nicht möglich. Es braucht also die Advektion (Heranführen, Verfrachten) von Luftmassen vorrangig aus Südwesteuropa, dem Mittelmeerraum beziehungsweise Nordafrika. Wenn eine solche (oft nur 1-2 Tage andauernde) großräumige südliche Strömung in Gang kommt, kann selbst direkt am Ostsee-Strand bei noch winterkaltem Meerwasser schon Sommer-Feeling aufkommen. Vorausgesetzt natürlich, es stellt sich kein thermisch bedingter Seewind am Tage ein.

Wir blicken in diesem Beitrag auf historische frühe Warmlufteinschübe und picken die frühesten Sommertage (Höchsttemperatur mindestens 25,0°C) und Hitzetage (Höchsttemperatur mindestens 30,0°C) auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern heraus. Ausgewertet wurde der Zeitraum seit 1881.

Sommertage

Das früheste Datum im Jahr mit 25°C oder mehr an einer offiziellen Wetterstation ist der 04. April 1953. In Ueckermünde sind 25,2°C gemeldet worden, auch Dömitz verzeichnete einen Sommertag mit (allerdings im Vergleich zur Umgebung unrealistisch erhöht erscheinenden) 27°C.

7 Jahre zuvor, 1946, gab es den zweitfrühesten Sommertags-Termin am 05. April. Damals hat es zwar so kurz nach Kriegsende kaum Wetteraufzeichnungen in MV gegeben. Mit per Hand verzeichneten Temperaturmessungen an den Wetterstationen (Beobachtungsbücher) und Analyse der Wetterlage und Luftmasse sowie digitalisierten Werten aus anderen Bundesländern ließ sich aber verifizieren, dass es auch in unserem Bundesland 25°C hatte.

Die nächstfolgenden Ereignisse stammen aus 1952, damals war es insofern noch außergewöhnlicher, weil es in Elbnähe sogar für 4 Sommertage in Folge reichte (12.-15. April 1952). Ein so langes Verweilen einer frühsommerlichen Luftmasse um diese Jahreszeit ist wirklich extrem.

Am 12. April 1952 (oben links) zeigte das Thermometer selbst in Rostock 25°C an. Es ist bis heute weiterhin der früheste Sommertag in der Hansestadt. Der 13. April (oben rechts) verdeutlicht, wie groß die Unterschiede auf recht engem Raum zwischen Küste/Inseln und Binnenland sind, sobald auflandiger Wind (Seewind) ins Spiel kommt. Die Greifswalder Oie meldete nur 9°C in der Spitze, in Rostock-Stadt waren es 23°C, in Dömitz /Elbe bis zu 27°C!

Die Karten der Höchsttemperaturen vom 12.04.-15.04.1952:

Die Häufung früher Sommertage im Bereich 1940er bis 1960er Jahre ist auffällig. Auch das nächste Ereignis fällt in diese Zeitspanne. Am 14. April 1961 war erneut frühes T-Shirt- und Strandwetter angesagt, vor allem Richtung Vorpommern. In Greifswald, Ueckermünde und Neustrelitz ist die 25°C-Marke überschritten worden.

Gehen wir einen Tag vorwärts, zum Datum 15. April, findet sich im Archiv ein beachtlicher Sommertag aus dem Jahr 1922. Damals reichte es sogar für bis zu 27°C und das selbst auf der Ostseeinsel Poel! Auch Rostock schaffte einen Sommertag. Es war noch nie (seit Beginn Messungen) so früh im Jahr so warm an der mecklenburgischen Ostseeküste wie an diesem 15. April 1922 und zwar bis heute ins Jahr 2024 nicht.

Wie sieht es eigentlich mit Sommertagen in der ersten Aprilhälfte aus den letzten Jahrzehnten aus? Es lässt sich tatsächlich nach 1961 kein Tag finden. Das bedeutet aber nicht, dass die fortschreitende Erderwärmung vor dem April Halt machen würde. Im Mittel ist die Temperatur auch im vierten Monat des Jahres gestiegen und warme Tage kommen häufiger vor, wirklich kalte Perioden kaum noch. Das bedeutet aber eben nicht, dass „Ausreißertage“ im April, also in diesem Fall sehr frühe Sommertage/Hitzetage immer zahlreicher oder immer zeitiger auftreten. Das zeigt die Statistik an dieser Stelle eindeutig nicht (zumindest bisher und für Mecklenburg-Vorpommern).

Das nächstfrüheste ist dann der 16. April 2007, es war in Boltenhagen und Warnemünde (Messreihe jeweils seit 1947) der früheste Sommertag.

Die vollständige Liste der frühesten Sommertage in MV in der Übersicht (seit 1881):

04.04.1953
05.04.1946
12.04.1952
13.04.1952 / 13.04.1906
14.04.1952 / 14.04.1961 / 14.04.1906
15.04.1922 / 15.04.1952

Hitzetage

Die nun folgenden Beispiele zeigen, dass es sogar noch extremer geht mit geradezu hochsommerlichen Temperaturen mitten im April. Wir kommen zu den Hitzetagen. In der 2. Monatshälfte sind selbst 30°C nicht mehr undenkbar.

Der wohl intensivste Warmluftvorstoß in einem April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erfolgte am 21./22.04.1968. Es strömte subtropische Warmluft auf direktem Wege ausgehend von Nordafrika weit nach Norden. Damals wurden sogar an allen Wetterstationen in Brandenburg 30 Grad oder noch darüber gemessen. Auch in MV knackten einige Stationen die Hitzetagsmarke, nämlich Boizenburg, Marnitz, Goldberg und Neustrelitz. Bis heute stammen die absoluten April-Rekorde an z.B. den eben genannten Orten von diesem Datum und wurden seither nicht mehr übertroffen. Gleiches gilt für den Landesrekord MV (30,8°C Marnitz, 22.04.1968).

Seit Beginn zuverlässiger Temperaturmessungen gab es nur an einem weiteren Tag (22. April 1996) einen offiziellen Hitzetag irgendwo in Mecklenburg oder Vorpommern.

Auch direkt an der Ostseeküste wurde es vor 28 Jahren bei ablandigem Wind schon sehr warm bis heiß. Am 23. April 1996 erreichte die Luftwärme in Warnemünde 29,5°C und gleichzeitig trieben noch dicke Eisschollen im Wasser (der vorangegangene Winter 1995/96 war ein sehr kalter Vertreter). Es ergab ein surreales Bild! Dieses Beispiel ist optimal um zu zeigen, dass es auch im Frühjahr am Strand keineswegs zwangsläufig kälter ist als im tiefsten Binnenland: Die Luft erwärmte sich an vielen Küstenabschnitten auf ähnlich hohe Werte wie beispielsweise in Schwerin oder Berlin, denn die Luftmasse war großflächig dieselbe und bei ablandiger Südströmung kann das winterkalte Ostseewasser nicht kühlend wirken. Am 23. April 1996 konnte Warnemünde mit 29,5°C sogar mehr bieten als Magdeburg (28,3°C), Leipzig (29,2°C) oder München (27,8°C).

Die Karten der Höchsttemperaturen vom 21.04.-23.04.1996. Man könnte fast sagen, es kam zu einer kleinen „Hitzewelle“. 3 Tage in Folge Temperaturen zumindest nahe 30°C, quer durchs ganze Bundesland (sieht man von wenigen exponierten Küstenabschnitten Rügens ab).

Abschließend noch der Blick auf das jüngste Ereignis dieses Artikels, welches erst 6 Jahre zurück liegt, allerdings keine 30°C schaffte. Am 20. April 2018 kletterten die Temperaturen bis auf 29,1°C in Boizenburg! Das Kap Arkona auf Rügen verzeichnete zum allerersten Mal einen Sommertag im April und stellte eine neue Monatshöchstmarke von 25,5°C auf. Dort muss alles passen, damit es derart warm wird, besonders zu so früher Jahreszeit, denn von West über Nord bis Südost ist das Kap von Wasser umgeben und nur auf einem schmalen Landweg aus Richtung Südwest kann kontinentale Warmluft es „unbeschadet“ bis dorthin schaffen. Die Konstellation war am 20.04.2018 dafür optimal.

Die vollständige Liste der frühesten Hitzetage in MV in der Übersicht (seit 1881):

21.04.1968
22.04.1968 / 22.04.1996
02.05.2005
12.05.1907
13.05.1907


eventuell 06.05.1923

Hinweis: Alle Messnetzkarten von Kachelmannwetter (Link: https://kachelmannwetter.com/de/messwerte)

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