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Der etwas andere Wärmemonat – was brachte den Mai 2024 auf Platz 2?

Der Mai 2024 war mit 15,7°C der zweitwärmste in MV seit ein Flächenmittel für das Bundeslandgebiet berechnet wird (ab 1881). Die Jahreszeit Frühling (01. März- 31. Mai) war sogar mit Abstand die wärmste und stellte somit einen neuen Rekord in Mecklenburg-Vorpommern auf. Diese Endabrechnung überraschte einige Menschen und ihr subjektives Gefühl war ein anderes. Das ist an sich keine ganz neue Beobachtung, doch zum Teil tatsächlich auch datenbasiert zu begründen, wie an dem durchaus speziellen Mai und zurückliegenden Frühjahr insgesamt nun gezeigt werden soll. Wir blicken detaillierter hinein in die Temperaturdaten und begeben uns auf Spurensuche.

Warum ist es gar nicht so verwunderlich, dass uns die zurückliegenden Wochen nicht so warm und frühsommerlich vorkamen wie sie im Mittel ausfielen?

Zunächst die Top 10 der wärmsten und kältesten Mai-Monate sowie Frühlinge seit 1881 kurz und knapp dargestellt. Der Mai 2024 sortiert sich auf Platz 2 zwischen Spitzenreiter 2018 und dem schon beachtlich alten Vertreter 1889 ein.


Die Höchsttemperatur des Monats innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern unter allen DWD-Stationen lag „nur“ bei 27,4°C. Das ist absolut mittelmäßig und keineswegs besonders hoch. Die letzten drei Maimonate von 2021-2023 hatten allesamt höhere Temperaturspitzen in MV zu bieten (29,0°C / 30,3°C / 28,5°C). In manchen Maimonaten gab es schon mehrfach über 30°C, z.B. 1922 und 2018.

Die mittlere absolute Höchsttemperatur (Flächenmittel des ganzen Bundeslandes) betrug 25,5°C. Das ist sogar unterdurchschnittlich, wie folgendes Diagramm der Zeitreihe seit 1881 zeigt. Schaut man sich also nur das absolute Temperaturmaximum des Monats an, könnte man von einem unterkühlten Mai ausgehen. Eine Temperaturspitze ist generell kein guter Indikator dafür, ob ein Monat insgesamt warm ausgefallen ist. Das zeigt sich auch darin, dass 1889 und 2018 mit ihrem Höchstwert der Lufttemperatur nicht überragten (siehe Kreise), obwohl sie in der Top 3 der wärmsten Mai-Monate rangieren.

Ebenso war die Anzahl der Sommertage (Tage mit Maximum mindestens 25,0°C) mit 3,3 im Flächenmittel überschaubar. Auch in dieser Kategorie können das zahlreiche Maimonate der Vergangenheit überbieten, zuletzt der Mai 2018, 2016 und 2011. Der Vergleich der eingekreisten 3 großen „Wärme-Mai“-Vertretern zeigt, dass 1889 hier sogar mehr als deutlich herausragt mit über 10 Sommertagen.


Warum ist der Mai 2024 nun dennoch letztendlich der zweitwärmste geworden? Nochmal wichtig zur Erinnerung: Für diese Beurteilung wird wie immer das Flächenmittel der Temperatur herangezogen, gebildet aus den 31 Tagesmitteltemperaturen, welche wiederum aus 24 stündlichen Messungen ermittelt werden. Dafür werden alle verfügbaren offiziellen Messstationen berücksichtigt und diese Daten durch Rasterfelder mit 1 km Auflösung über die Fläche berechnet, damit auch weniger abgedeckte Regionen entsprechend ihrer Ausdehnung repräsentiert sind.

Die Begründung ist hauptsächlich darin zu finden, dass es konstant zumindest etwas zu warm war und kalte Phasen nahezu komplett ausblieben. Lediglich 2 Tage (07. und 08.05.) lagen unterhalb des täglichen Klimamittels der neueren Periode 1991-2020. Auch wenn es nicht viele Sommertage (mind. 25,0°C) gab, an der Ostsee teilweise gar keine, so prägten doch außerordentlich viele Tage mit 20-24°C den Monat. Und auch das ist eben nicht normal, sondern zieht das Temperaturmittel über den Durchschnitt. Beispiel: Die mittlere Höchsttemperatur in Schwerin an einem 20. Mai im 30-Jahreszeitraum 1991-2020 liegt bei 18,8°C. Der Mai ist kein Hochsommermonat, permanent warme Tage sind nicht die Regel.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Nachttemperaturen stärker zum zweitwärmsten Mai als die Tagestemperaturen beigetragen haben. Da die allermeisten von milden Nächten im Mai jedoch nicht viel haben, da sie sich dann draußen nicht mehr aufhalten und überdurchschnittlich temperierte Mainächte trotzdem häufig noch etwas zu frisch sind, um es als angenehm warm zu empfinden, ist dieser Beitrag zum Monatsmittel vielen entgangen beziehungsweise nicht bewusst.

Blicken wir auf die Zeitreihen zur mittleren Höchst- und Tiefsttemperatur aus den jeweils 31 Maitage für Mecklenburg-Vorpommern seit 1881.

Während beim Tagesmaximum gegenüber dem diesjährigen Mai 2024 (21,0°C) sowohl 1889 (21,5°C) als auch 2018 (21,8°C) ein höheres Niveau aufweisen (eingekreist), liegt der Mai 2024 bei der mittleren Tiefsttemperatur (rechts) eindeutig vorne. Erstmals erreicht der Wert in einem Mai über 10°C. Das heißt: Im Mittel kühlte die Luft in Mecklenburg-Vorpommern im Mai 2024 täglich nur auf ein Minimum von 10,4°C ab. Dazu hat insbesondere die 2. Monatshälfte mit feuchter Luftmasse und mehr Wolken beigetragen, beides dämpft nächtliche Ausstrahlung.

Nochmal kurz zurück zu den Tagesmaxima: Jetzt mag der ein oder andere vielleicht denken: Eine mittlere Höchsttemperatur von 21,0°C klingt nicht so hoch und was ist denn mit den Maimonaten aus weit zurückliegender Vergangenheit, die mehrfach 30°C und mehr zu bieten hatten (z.B. 1922)? Finden sich diese Monate nicht mindestens in einem ähnlichen Spektrum wie 2024 wieder?

Ziehen wir 1922 heran, als der Mai im südwestlichen Mecklenburg schon extreme 5 Hitzetage brachte. Die Antwort warum diese Vertreter trotzdem nicht mit dem Mai 2024 (egal ob Tmax oder Tmin) mithalten können: Es gab zwar an manchen Tagen deutlich höhere Temperaturen als im Diesjährigen, aber eben dazwischen auch stark unterkühlte Abschnitte und die fehlten diesmal. Wir veranschaulichen das an der Gegenüberstellung der Monatsdiagramme von Schwerin aus Mai 1922 (links) und Mai 2024 (rechts).

Der 1922er hatte eine Rekord-Hitzewelle für Mai zu bieten (22.-26.05.), aber eben auch sehr frische Tage. Vom 10.-13.05. wurden gerade einmal um 10°C erreicht. Insgesamt war der Monat durch große Schwankungen der Temperatur geprägt. Der 2024er dagegen zeichnete sich durch geringe Temperaturunterschiede und konstante Milde/Wärme aus. Keine Ausreißer ins „obere Regal“, aber eben vor allem gar keine nach unten. Das tiefste Tagesmaximum in der Landeshauptstadt betrug 16,0°C, 1922 lagen gleich 12 Tage unter diesem Wert.

Bei den Tiefsttemperaturen wird es mindestens ebenso deutlich. Nur 8 Tage hatten im Mai 1922 in Schwerin zweitstellige Minima (>=10,0°C), 2024 waren es 24!

Man könnte zusammenfassend sagen: Der Mai 2024 lief sozusagen unter dem Radar durch seine gleichmäßig „unauffällige Wärme“ (Rüganische Ostküstenbewohner seien mal vorsichtig ausgeklammert 😉- ihr tragt nun mal kaum zum Flächenmittel des ganzen Bundeslandes bei). Unter dem Strich kommt dabei der zweitwärmste Mai heraus. Die Analyse hat aber auch gezeigt: Zieht man andere Parameter heran, z.B. die Anzahl der meteorologischen Sommertage oder absoluten Höchsttemperaturen, war der Mai 2024 kein Großer. Hier stimmt das Gefühl einiger gewissermaßen also schon. Bei wem die Wohlfühltemperatur erst ab 28°C im Schatten einsetzt, ist also nix zu holen gewesen. Hierzu aber nochmals die Einordnung: Es ist ein Mai gewesen! Wer mit der Einstellung hineingeht, dass sich die Sommerabende am Strand/See/heimischen Garten hier nur so aneinanderreihen, der ist in der falschen Klimazone unterwegs. Die mittlere Höchsttemperatur im Mai liegt in Schwerin bei 18°C, in Warnemünde bei 16°C und am Kap Arkona/Rügen sind es 14°C (Periode 1991-2020).

Was auch angemerkt werden sollte: Die vielen Schauer- und Gewitterniederschläge leisteten ebenso ihren Beitrag zu einem Gesamtbild, was den Monat für manchen in Mecklenburg und Vorpommern nicht so frühsommerlich und angenehm erscheinen lassen hat. In einzelnen Landesteilen von MV fiel seit Messbeginn noch nie so viel Regen im Mai. Das ein besonders warmer Monat gleichzeitig auch der niederschlagsreichste ist bzw. zumindest zu den niederschlagsreichsten zählt, ist im Frühjahr/Sommer äußerst selten.


Abschließend noch kurz der Blick auf das gesamte Frühjahr (März-Mai), welches rekordmild ausfiel. Zunächst die Auflistung der einzelnen Monatsmitteltemperaturen und der Abweichungen zum Klimawert sowie die Zeitreihe für MV seit 1881.

Alle 3 Frühlingsmonate endeten mit einem deutlichen Plus, der März trug am meisten zum wärmsten Frühling in der abschließenden Bilanz bei. Dies könnte auch eine kleine Rolle spielen, warum vielleicht einige überrascht sind. Ein März mit 3-4°C Temperaturabweichung ist natürlich insgesamt immer noch kühl und bringt keine Sommertage. Grundsätzlich fällt die klare Dominanz überdurchschnittlicher Witterungsperioden beim Blick auf die tägliche Mitteltemperatur in MV vom 01. März bis 31. Mai (grün) mit Einordnung gegenüber dem jeweiligen Klimawert (erneut Periode 1961-1990, schwarz) auf. Es ist lediglich eine längere kalte Phase aufgetreten, nämlich vom 16.-26. April. Am 22. April gab es noch späten Schneefall mancherorts. Doch im Verhältnis zu den vielen vielen milden/warmen Tagen fällt das kaum ins Gewicht.


Quellen mtwetter, Diagramme:

https://www.mtwetter.de/monatskarte.php

https://www.mtwetter.de/regionales_mittel.php

https://www.mtwetter.de/regionales_tagesmittel.php

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