Aktuelles Wetter Bildberichte Natur & Wetterphänomene Rückblicke und Analysen

Der Eiswinter 2025/26 an der Ostsee – stärkste Vereisung seit 15 Jahren

Der mittlerweile sich dem Ende zuneigende Winter 2025/26 ist der stärkste Eiswinter an der deutschen Küste seit 2010/2011. Eine mit nur kurzen Unterbrechungen anhaltende kalte Witterung etwa seit Weihnachten ließ im Laufe des Januars erstes Eis in den deutschen Bodden- und Haffgewässern sowie Buchten entstehen. Anfang Februar folgte dann die eisigste Periode. In Kombination mit wochenlangen Ostwinden bildete sich auf der offenen Ostsee an der Ostküste Rügens und Usedoms ein breiter Eisgürtel. Am 21.02.2026 setzte schließlich nachhaltig Tauwetter ein, Ende Februar folgten zweistellige Plusgrade.

Dieser Artikel blickt auf die Ostseevereisung und ordnet historisch ein, eine Gesamtbilanz des Winters aus meteorologischer Sicht folgt in Kürze.

Die Eisbildung begann abseits der geschützten Buchten, Bodden- und Haffgewässern genau mit dem Monatswechsel. Am 01.02.2026 tauchte auf der täglich herausgegebenen Eiskarte des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erstmals Eis vor der Außenküste von Usedom und Süd-Rügen auf. Am Folgetag (02.02.) hatte es dann bereits eine beachtliche Ausdehnung auf dem offenen Meer erreicht. Zuvor (siehe Karte 31.01.2026) waren jedoch beispielsweise das Stettiner Haff, der Greifswalder Bodden oder auch der Strelasund und Barther Bodden schon mit sehr dichtem Eis überzogen (rot in der Karte).

Eiskarte deutsche Ostsee 31.01.2026

Eiskarte deutsche Ostsee 02.02.2026

Am Wochenende (07./08.02.) pilgerten dann Tausende Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet auf die vorpommerschen Ostseeinseln, um sich ein spektakuläres wie rares Naturschauspiel nicht entgehen zu lassen. Arktische Landschaften mit geschlossener Eisdecke bis zum Horizont waren zu bestaunen, vielerorts liefen die Menschen sogar AUF der Ostsee. Bilder des massiv vereisten Sassnitzer Leuchtturms waren zuhauf in Sozialen Netzwerken und in den Nachrichtensendungen zu sehen. Auch im Süden der Insel im Bereich Palmer Ort türmte sich Packeis, was viele Schaulustige anzog, ebenso in den Kaiserbädern auf Usedom. Am Greifswalder Bodden hatte der Wind in Kombination mit Wellengang Eisschollen zu wahren Eisbergen aufgetürmt, die mehrere Meter hoch waren. Der Eisbrecher „Arkona“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts verkehrte auf den wichtigsten Seerouten, um das Fahrwasser offen zu halten. Die Auswirkungen auf den Schiffsverkehr wurden bereits Ende Januar deutlich, als der Frachter „Wilson Maas“ (Flagge Barbados) auf dem Weg aus Polen im Eis feststeckte. Die „Arkona“ brach das Eis im betroffenen Seegebiet auf und eskortierte das Schiff bis zum Zielhafen im Greifswalder Bodden.

Kurze Zeit später hatte das Eis auf der Ostsee teils eine Dicke von 30 cm erreicht. Weit draußen, viele Kilometer vor der Ostküste entfernt, bildete sich Neueis (violett, siehe Karte) und wurde durch den starken Ostwind von der Ostsee nach Usedom und zur Nachbarinsel Rügen gedrückt. Fachleute des BSH errechneten mittels Beobachtungen vor Ort und der Schifffahrt sowie Satellitenbildern, dass das sehr dichte Meereis vor Usedom bei Karlshagen auf einer Länge bis etwa 8,5 Seemeilen (15,7 Kilometer), bei Koserow 6 Seemeilen (11,4 Kilometer) und bei Heringsdorf 4,3 Seemeilen (8 Kilometer) vor die Küste reichte. Schon jetzt stand fest: Es ist die stärkste Ostsee-Vereisung vor der mecklenburg-vorpommerschen Küste seit 2011.

Eiskarte deutsche Ostsee 08.02.2026 – Beschaffenheit und Ausdehnung

Eiskarte deutsche Ostsee 08.02.2026 – Eisdicke

Die Eisbrechereinsätze vor der deutschen Küste nahmen in den Folgetagen zu. Vor Rügen war der eigentliche Nordsee-Eisbrecher „Neuwerk“ im Einsatz. Er sollte unter anderem die Fahrrinne zum Hafen Mukran freibrechen, damit Tankschiffe das dortige LNG-Terminal ansteuern und verlassen können. Am Mittwoch (11.02.) gelang dies schließlich nachhaltig. Unterstützung bekam das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ vom Schlepper „VB Bremen Fighter“, der in Sassnitz stationiert ist. Die „Arkona“ wurde zur Nordsee verlegt.

Hiddensee war bereits seit Ende Januar abgeschnitten, die Insel wurde im Notbetrieb von Eisbrecher „Swanti“ und dem Mehrzweckschiff „Görmitz“ versorgt. Zeitweise durften dadurch keine Touristen auf die Insel übersetzen. Die ursprüngliche Fähre „Vitte“ musste mit einem Eisschaden in die Werft nach Stralsund.

Eiskarte deutsche Ostsee 19.02.2026 – Beschaffenheit und Ausdehnung (oben) sowie Eisdicke (unten)

Der Pfeil markiert die im Eis eingeschlossene Insel Greifswalder Oie.

Der 20.02.2026 war der letzte „Wintertag“ mit Dauerfrost. Danach begann der Eis durch mildere Temperaturen und Westwinde aufzubrechen und zu schmelzen. Teilweise löste es sich von der Küste und trieb auf das offene Meer hinaus.

Eine Beschreibung der Eisverhältnisse vom 19.02.2026 vor dem Wetterwechsel und Tauwetter aus dem Eisbericht des BSH: „Entlang fast der gesamten Küste hat sich Neueis gebildet und wo schon Eis da war, ist es etwas gewachsen. Das Stettiner Haff ist vollständig mit Eis bedeckt, meist dicker als 30 cm. Im Peenestrom kommt von dichtes bis sehr dichtes, örtlich über 30 cm dickes Eis vor.  Im Greifswalder Bodden, in der Ostansteuerung nach Stralsund von Stralsund bis Palmer Ort sowie im Fahrwasser nach Greifswald kommt meist sehr dichtes, teils übereinandergeschobenes, 20–50 cm dickes Eis vor. Im Ausgang zur Ostsee sowie entlang der Küste Rügens nach Norden bis Sassnitz und der Außenküste von Usedom befindet sich zusammengeschobenes, sehr dichtes Eis, teils über 30 cm dick, bis etwa zur Greifswalder Oie. Weiter östlich hat sich erstmal eine Rinne gebildet, auf der dann dichtes bis sehr dichtes Treibeis folgt. Ansonsten treibt in der Pommerschen Bucht Neueis. In den Boddengewässern um Rügen und in der Nordansteuerung nach Stralsund kommt meist 1030cm dickes, sehr dichtes Eis vor. Zwischen Rügen und Hiddensee kommt meist sehr dichtes Eis, in Fahrrinnen auch gebrochenes Eis vor. Die Darß-Zingster Boddenkette ist mit meist 10-30cm dicke, dichtem bis sehr dichtem Eis bedeckt. An der nördlichen Außenküste Neueisbildung. In Rostock kommt auf der Unterwarnow sehr dichtes Neueis vor, bei Warnemünde offenes Wasser. In der Wismarbucht kommt bis Walfisch 5-10cm dickes, dichtes bis sehr dichtes Eis vor. Weiter außerhalb sehr dichtes Neueis bis Timmendort und dann sehr lockeres Neueis. In geschützten Buchten bei der Insel Poel und im Salzhaff liegt teilweise sehr dichtes Eis.“

Es galten folgende Schifffahrtsbeschränkungen:

„Eisklasse E1 oder höher ist für die Nordansteuerung Stralsund ab Tonne „Gellen“ zum Hafen Stralsund erforderlich. Eisklasse E2 oder höher ist für die Ostansteuerung Stralsund ab Tonne „Landtief B“ bzw. Tonne „O 2“ zu den Häfen am Greifswalder Bodden und zum Hafen Stralsund sowie zu den Häfen am Peenestrom erforderlich. Lotsendienste im Bereich Greifswalder Bodden und Sassnitz/Mukran werden nur noch bei Eisbrecherunterstützung angeboten. 

Es gilt ein Nachtfahrverbot (17:30 Uhr bis 07:30 Uhr) für die Nordansteuerung Stralsund, für die 2 Ostansteuerung Stralsund ab Tonne „Landtief B“ zu den Häfen am Greifswalder Bodden und zum Hafen Stralsund sowie zu den Häfen am Peenestrom.  Örtlich können Tonnen wegen der Eissituation eingezogen oder vertrieben sein.“

Wegen des anhaltend kalten Winterwetters und der ausgeprägten Eisbildung auf der Ostsee konnten Mitte Februar mehrere Häfen im Greifswalder Bodden – darunter Ladebow, Vierow, Lubmin, Wolgast und Stralsund – nicht mehr angesteuert werden. Wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Ostsee mitteilte, seien die Eisbarrieren im Landtieffahrwasser sowie in der Fahrrinne bei Palmer Ort zwischenzeitlich so stark gewesen, dass selbst Einsatzfahrzeuge der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) an ihre Grenzen stießen.

Auch für Schiffe mit Eisklasse, die für Eisstärken bis zu 80 Zentimetern ausgelegt sind, sei eine sichere Durchfahrt durch diese Barrieren nicht möglich. Die Häfen Rostock und Wismar in Mecklenburg waren hingegen weiterhin erreichbar.

In Warnemünde reichte es kurz vor Ende der Winterperiode noch für einen schmalen „Slush Ice“-Streifen am Ufersaum. Zudem fror der Rostocker Stadthafen weitgehend zu. Mit den Eisverhältnissen an der vorpommerschen Küste ließ sich das aber längst nicht vergleichen. Gründe dafür sind zum einen der höhere Salzgehalt in der mecklenburgischen Ostsee und die nicht ganz so eisigen Temperaturen wie weiter östlich, vor allem aber die Windrichtung. Ostwind ist beispielsweise in Warnemünde ablandig bzw. zumindest nur küstenparallel, daher konnte sich lange Zeit kein Eis im Uferbereich sammeln.

Eislage Strand Warnemünde und Warnow im Bereich Rostocker Stadthafen (19./20.02.2026)

Eingegangen sei auch noch auf die Greifswalder Oie, rund 12 km nordöstlich vor Usedom in der Pommerschen Bucht gelegen. Die kleine, unter Naturschutz stehende Insel ist bis heute noch nahezu vollständig vom Eis umschlossen, sodass Schiffe nicht mehr anlegen können. Auf der Insel halten die Mitarbeitenden der Vogel-Beringungsstation des Vereins Jordsand (Bundesfreiwillige) den Betrieb trotz Isolation aufrecht. Laut Berichten war das Eis stellenweise bis zu etwa 60 Zentimeter stark, die Grundversorgung funktionierte über Vorräte sowie die intakte Insel-Infrastruktur (z. B. eigener Brunnen für Trinkwasser), im Notfall wäre eine Unterstützung bzw. Evakuierung auch aus der Luft möglich. Die Szenerie auf der Insel muss außergewöhnlich sein. Es wurde von vor Ort berichtet, dass selbst mit Blickrichtung Nord/Ost zum offenen Meer hin nur Eis zu sehen war. Zudem herrschte völlige Stille: „Keine Boote, die an der Insel anlegen, keine Schiffe, die in der Nähe vorbeifahren, keine Wellen, die gegen die Brandungsmauer klatschen, kein gewohnter Laut der Tiere: Das Eis hat alle Geräusche geschluckt.“ (OZ-Artikel 13.02.2026).

Bilder „Eisexpedition“ Usedom 18.02.2026

Die folgenden Aufnahmen entstanden am Mittwoch, den 18. Februar 2026 an der Küste von Trassenheide sowie Peenemünde im Norden von Usedom. Bei frostigen Temperaturen, kaum Wind und sonnigen Abschnitten sorgten die spektakulären Eiswelten am Ufer und auf der Ostsee für viele besondere Momente und Eindrücke die noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Die Formation der Wellen ist im Eis noch deutlich erkennbar:

————————————————————————————————————————-

Auswirkungen Eis – gesamter Ostseeraum:

Der zweite Teil des Berichts behandelt die Vereisung und Auswirkungen jener im restlichen Ostseeraum.

Eiskarte gesamte Ostsee vom 20.02.2026

Quelle: SMHI, https://www.smhi.se/en/services/scandinavian-waters/swedish-ice-service

Die Situation am 20.02.2026 lässt sich wie folgt beschreiben: Der Finnische Meerbusen ist ebenso wie der nördliche Bottnische Meerbusen fast vollständig zugefroren (siehe rot/violett eingefärbte Gebiete). Gleiches gilt für den Rigaischen Meerbusen. Auch andere Buchten auf der Ostsee-Südseite sind zugefroren. Vor der Küste Nordwestestlands gibt es noch einige offene Wasserflächen, die jedoch auch Eisschollen führten. Weitgehend eisfrei ist das offene Meer abseits der Küsten etwa südlich von Stockholm.

Das letzte Mal, dass der Finnische Meerbusen komplett zugefroren war, war im Winter 2010/2011, also vor 15 Jahren! Der finnische Wetterdienst vermeldete zudem, dass der Jahresstart im skandinavischen Land der kälteste seit 1987 war (gemessen an der Mitteltemperatur des Zeitraums 01.01.-12.02.). Bis zu 33 Tage in Folge blieb in Finnland die Temperatur im Flächenmittel unter den durchschnittlichen Klimareferenzwerten. In Estland gab es eine Serie von bis zu 56 Dauerfrosttagen (Tmax <0,0°C), dies entspricht der längsten Periode mit Eistagen am Stück seit 2009/2010.

Zum Stichtag 20.02.2026 war die Ostsee auf rund 181.000 Quadratkilometern zugefroren – eine so große Eisbedeckung hatte es seit 2011 nicht mehr gegeben. Zur Einordnung: Etwa 420.000 Quadratkilometer umfasst die gesamte Ostseefläche. Somit waren zwischenzeitlich schätzungsweise 43 % der Ostsee mit Eis bedeckt.

An den meisten Orten war die Eisdecke schon mehr als 10 Zentimeter stark, im Norden und Osten fiel sie deutlich mächtiger aus. Die amtlichen Eisberichte weisen für den Zeitraum um 20.–23.02.2026 u. a. aus: Bis zu rund 80 cm Festeis an Küsten der Bottenwiek, sehr dichtes, teils aufgepresstes Drift-/Packeis in zentralen Fahrwassern und im Finnischen Meerbusen großräumig sehr dichtes Eis mit typischen Eisdicken von etwa 20–40 cm. Selbst in den noch eisfreien Bereichen der Ostsee waren die Wassertemperaturen spürbar abgesackt: Im Bottnischen Meerbusen hatten sich die letzten +2-Grad-Zonen schließlich vollständig aufgelöst.

Quelle: FMI, https://www.ilmatieteenlaitos.fi/jaatilanne

Die obige Grafik stammt vom Finnischen Meteorologischen Institut. Die schwarze Linie zeigt die Eisausdehnung in der aktuellen Saison 2025/26 für die gesamte Ostsee in km² für jeden Tag (siehe Datum auf der x-Achse). Die Eisbedeckung des vorherigen Winters 2024/25 ist als gestrichelte Linie dargestellt, die blauen Kurven zeigen die maximale und minimale Eisbedeckung (Min.–Max.) sowie die Ausdehnungsfraktile (25 %–75 %) für die Winter 2007–2022, die grüne Linie die mittlere Ausdehnung (50 %). Es wird deutlich: Die Eisausdehnung ist seit Ende Januar klar überdurchschnittlich. Anfang Februar lag sie sogar nah am Maximum der Jahreszeit der vergangenen etwa 20 Jahre.

Vor diesem Hintergrund fiel im östlichen Finnischen Meerbusen ein ungewöhnlicher Einsatz auf, den man über AIS-Dienste wie „MarineTraffic“ verfolgen konnte: Russland hatte den Atomeisbrecher „Sibir“, der sonst überwiegend in der Arktis eingesetzt wurde, in die Ostsee verlegt, um dort Fahrwasser freizuhalten und Schiffe zu eskortieren. Kurz darauf war auch der dieselelektrische Eisbrecher „Murmansk“ im Gebiet eingetroffen.

Dabei ginge es um vorbeugenden Maßnahmen, um die Lage stabil zu halten und Engpässe für die Schifffahrt zu verhindern. Insbesondere soll die Begleitung großer Frachter und Tanker in Richtung der russischen Häfen im Finnischen Meerbusen gewährleistet werden. Gerade dafür galt die außergewöhnliche Dimension der „Sibir“ als Argument: Sie ist 173,3 Meter lang und 34 Meter breit (Indienststellung Anfang 2022) und ist damit in diesem Winter der größte Eisbrecher in der Ostsee. Die „Murmansk“ (seit 2015 im Dienst) bringt es auf 119,8 Meter Länge und 27,5 Meter Breite und zählt ebenfalls zu den sehr großen Einheiten. Dass man Eisbrecher aus dem Arktisraum abgezogen hat, unterstreicht die durchaus besondere Lage –solche Verlegungen hat es bei Bedarf früher bereits gegeben, etwa im Eiswinter 2011.

Parallel dazu hatten auch Finnland, Schweden und die baltischen Staaten jüngst alle ihre verfügbaren Eisbrecher bzw. eisbrechenden Arbeitsschiffe mobilisiert.

Des Weiteren wurden in Finnland, Schweden und Estland offizielle „Eisstraßen“ auf der Ostsee eröffnet. In Finnland war etwa die Eisstraße zur Insel Hailuoto bei Oulu wieder freigegeben worden – eine rund zehn Kilometer lange Route (davon ca. acht Kilometer über See-Eis), die von einem örtlichen Unternehmen überwacht wurde und für die mindestens 40 Zentimeter Eisdicke vorgeschrieben waren. Gleichzeitig galt diese Öffnung zum vorerst letzten Mal, weil eine feste Verbindung (Damm und Brücken) im Laufe des Jahres fertiggestellt werden soll.

Auch in Schweden wurden im Schärengarten vor Luleå mehrere Inseln über geräumte Eiswege wieder per Auto erreichbar: Dort war unter anderem die 8,5 Kilometer lange Strecke zwischen Sandön und Junkön geöffnet – teils sogar mit einer Freigabe bis 12 Tonnen.

In Estland richteten die Behörden außerdem eine offizielle Eisstraße zwischen den großen Inseln Hiiumaa und Saaremaa ein (rund 17 Kilometer), markiert und laufend kontrolliert; erlaubt waren nur Fahrzeuge bis 2,5 Tonnen, zudem galt eine Nutzung nur bei Tageslicht und unter strengen Abstands- und Temporegeln.

Zusätzlich zur starken Vereisung sorgte anhaltender Ostwind im Februar 2026 für weitere Schlagzeilen: Rekord-Niedrigwasser in der Ostsee. Seit Anfang Januar hatten oft kräftige Ostwinde große Wassermengen durch die Meerengen der Beltsee in Richtung Nordsee hinausgedrückt, sodass der mittlere Ostseepegel stark absank. Am Referenzpegel Landsort-Norra (Schweden) wurde am 5. Februar ein Tagesmittel von mehr als 67 cm unter dem langjährigen Mittel gemessen – der niedrigste Wert seit Beginn der Messreihe 1886. Nach Berechnungen des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) „fehlten“ der Ostsee dadurch zeitweise rund 275 km³ Wasser gegenüber dem langjährigen Mittel. Dies entspricht knapp 6 mal dem Bodensee! Die Forschenden beobachteten die Lage auch deshalb so genau, weil ein so niedriger „Füllstand“ als günstige Ausgangsbedingung für einen möglichen großen Salzwassereinstrom aus der Nordsee gilt – vorausgesetzt, die Ostwindlage würde durch anhaltende Westwinde abgelöst.

Quelle: IOW, https://www.iow.de/mitteilung/items/historisch-niedriger-wasserstand-in-der-ostsee-steht-eine-grosser-salzwassereinbruch-aus-der-nordsee-bevor.html?file=files/news/presse/2026/20260206_presse_Historisch_niedriger_Ostseepegel_de.pdf

Die deutlichsten Wasserstandsdefizite wurden in der nördlichen und östlichen Ostsee beobachtet; an der deutschen Ostseeküste fielen die Abweichungen dagegen vergleichsweise moderat aus. Besonders auffällig waren die Messwerte in Finnland: In Helsinki lag der Wasserstand zwischenzeitlich rund 90 Zentimeter unter dem üblichen Niveau (Minimum am 06.02.: −94 cm). Eine Auswertung des Mittels aller finnischen Pegel ergab zudem einen neuen historischen Tiefststand seit Beginn der entsprechenden Zusammenstellung im Jahr 1971 (−79 cm am 06.02.).

Pegel Helsinki: Pegeldaten der letzten 12 Monate seit Feb. 2025, tägliches Mittel, x-Achse: Datum / y-Achse: Abweichung vom mittl. Wasserstand in cm. Quelle: DWD, https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2026/2/14.html

Vorläufiges Fazit:

Der Eiswinter 2025/26 hat sich (Stand: 23.02.2026) zu einem der markantesten Ostsee-Winter der letzten Jahre entwickelt, bleibt jedoch deutlich hinter einem historischen Extremwinter mit Vollvereisung wie 1987 zurück. Auch der Winter 2010/2011 brachte eine noch größere Eisausdehnung, danach liegt 2025/26 aber vorn. Meteorologisch verantwortlich zeigte sich eine außergewöhnlich kalte Phase in Nord- und Nordosteuropa (blockierende Hochdrucklagen und viel Kontinentalkaltluft), die die Eisbildung in den klassischen Vereisungsräumen (Bottenwiek, Finnischer Meerbusen, Rigaer Bucht sowie flache Buchten und Boddengewässer im Süden/Südosten) verstärkt hat. Leicht begünstigt wurde die Vereisung auch durch die niedrigen Wasserstände.

Die Eisfläche der Ostsee lag Anfang Februar bereits bei rund 140.000 km² (05.02.2026; mehr als die Maxima der beiden Vorsaisons 2023/24 und 2024/25) und wurde bis etwa 20.02.2026 mit 181.000 km² als „größte Eisausdehnung seit 2011“ in mehreren Berichten eingeordnet. Das ist oberhalb des langjährigen durchschnittlichen Maximums 1991–2020 (141.000 km²), bleibt aber deutlich unter schweren Eiswintern wie 2010/11 (309.000 km²).

Hinweis: Der Artikel wird nach Ende des Winters aktualisiert. Noch ist es zu früh für eine endgültige Bewertung und Einordnung.


Quellenverzeichnis

Ostsee-Zeitung:

https://www.ostsee-zeitung.de/mecklenburg-vorpommern/liveblog-zum-winterwetter-in-mv-steigende-temperaturen-lassen-ostsee-eis-schmelzen-7JYYKQMBZBCTNORURCGQRLXMOE.html

https://www.ostsee-zeitung.de/lokales/vorpommern-greifswald/usedom/bis-zu-30-zentimeter-dick-eisdecke-reicht-vor-usedom-bis-zu-15-kilometer-auf-die-ostsee-WPQRD4SEEJBKBA2XZCRKYBIMWQ.html

NDR:

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/nicht-ewig-aber-arktisch-schoen-ostsee-und-bodden-im-dicken-eis,ostseeeis-100.html

https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/eis-vor-ruegen-sogar-aus-dem-all-ist-packeis-zu-sehen,eisdickemv-102.html

Polarkreisportal von Andrea Seliger:

Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH):

-Eiskarten und Ostseebericht-

https://www2.bsh.de/aktdat/eisdienst/Winter2026/Ostseebericht_T.html

https://www2.bsh.de/aktdat/eisdienst/Winter2026/Ek3DOEiskarte_T.html

Ice statistics:

https://www.bsis-ice.de/statistik/Stationindex.html

SMHI (Schwedisches Meteorologisches und Hydrologisches Institut):

https://www.smhi.se/en/services/scandinavian-waters/swedish-ice-service

FMI (Finnisches Meteorologisches Institut):

https://www.ilmatieteenlaitos.fi/jaatilastot

https://www.ilmatieteenlaitos.fi/jaatilanne

IOW (Institut für Ostseeforschung Warnemünde):

https://www.iow.de/mitteilung/items/historisch-niedriger-wasserstand-in-der-ostsee-steht-eine-grosser-salzwassereinbruch-aus-der-nordsee-bevor.html

DWD, Thema des Tages vom 14.02.2026:

https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2026/2/14.html

Bluesky-Account von Mika Rantanen (Finnish Meteorological Institute):

https://bsky.app/profile/mikarantane.bsky.social

X-Account von Kairo Kiitsak (Estonian Environment Agency):

https://x.com/kairokiitsak

Hinterlasse einen Kommentar

Emsvechtewetter.de

Dein Wetter für das Emsland und die Grafschaft Bentheim

Wetter- und Outdoorblog

Blog über das Wetter und die Umgebung in Villach

ERSTES SEEBAD

Sommerfrische seit 1793.

Radelnder uHu

Fotografie, Radeln und Reisen

Pausenraum Rostock

Beiträge vom Ufer der Warnow

Hausgemachtes

in den Wind geschrieben

hafensonne

beobachtungen aus rostock

Meteofranke

Medienwatchblog und Hintergrundwissen

Wetterstation Brachwitz

Privater Wetter- und Klimainformationsdienst für MV mit umfangreichem Datenarchiv

Die Reise um die Wetterwelt

Wetter, Klima, Auswertungen, Schulungen/Vorträge, Fernweh...

Wetter Osterzgebirge

Wetter und Naturfotografie in Dresden, der Sächsischen Schweiz, dem Osterzgebirge und Umgebung

Wetter, Sturm, Gewitter und Natur/Klima

Dieser Blog legt den Fokus auf Sturm- und Orkanwetterlagen, sowie Gewitter und Starkregen/Unwetterlagen. Dazu wird ein Archiv zwischen den aktuellen Wetterthemen mit vergangenen Stürmen und Unwetterlagen bereit gestellt. Es wird auch auf die folgen von Stürmen auf den Forstbestand- und der Umwelt eingegangen. Die Hydrologie spielt z.b. bei Starkregenfällen und Hochwasserschutz im Zusammenhang mit dem Klima eine große Rolle, weshelb auch zur Hydrologie und Klimatologie Beiträge erfolgen werden.

Das Kochkollektiv NeptunΨOstsee

Wir kochen & versorgen - Veranstaltungen, Reisen, Festivals, Märkt und Kochkurse

Strelitzius Blog

gemeldet, glossiert & gegessen

Fichtelberg im Erzgebirge und Umgebung

Wetter und Landschaft auf Sachsens höchstem Gipfel

Wesersollingwetter

Ein Wetterblog für das Oberwesertal und den Solling

Wettermagazin Lausitz

Wetterstatistiken und Klima für die Region