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2026 ein extremer Hitzesommer? In Mecklenburg-Vorpommern ist er kein „ganz Großer“

Der diesjährige Sommer bestimmt wettertechnisch mit Hitze, großer Trockenheit/Niedrigwasser und Waldbränden die (internationalen) Schlagzeilen – doch dieser Artikel zeigt warum aktuell ein regional differenzierter Blickwinkel besonders angebracht ist.

Bleiben wir räumlich in Deutschland: Während der äußerste Norden (Schleswig-Holstein / MV) eher einen „Auf und Ab-Sommer“ mit kurzen intensiven Hitzeeinschüben aus Süden, aber überwiegend gemäßigter Meeresluft aus westlicher bis nördlicher Richtung erlebt, herrscht im Süden und Südwesten der Republik Mittelmeerklima vor. Hitzetage mit über 30°C sind die Regel, in Rheinfelden ganz im Süden von Baden-Württemberg wird heute der 55. heiße und voraussichtlich sogar der 20. sehr heiße Tag (>=35,0°C) gemessen, letzteres ist neuer Deutschland-Rekord im DWD-Netz und weitere folgen in dieser Woche noch.

Der hohe Norden erlebte zwar einen historischen sehr heißen Tag mit zum Beispiel erstmals 40°C in Mecklenburg-Vorpommern seit Beginn von Temperaturmessungen am 27. Juni und einen weiteren außergewöhnlichen Hitzetag mit 35 bis 38°C am 30. Juli, ansonsten aber auch viele Tage unter 25°C und herbstlich windige Phasen an der Nord- und Ostsee. Zur Einordnung: Das gehört natürlich zum klassisch norddeutschen Sommer auch dazu, sorgte aber eben dafür, dass von einem „Jahrhundertsommer“ wie in anderen Teilen Deutschlands und beispielsweise in Frankreich für MV keine Rede sein kann. Es fehlte vor allem an stabilen Hochdruckgebieten über Skandinavien oder dem Baltikum – jene sind die zuverlässigsten „Sommerbringer“ im Ostseeraum mit angenehmer Wärme (meist unter 30°C, häufig erfrischender Seewind) und viel Sonnenschein über Tage und teils Wochen hinweg.


Schauen wir dazu auf die Flächenmitteltemperatur des Sommers – selbstverständlich noch nicht die Endbilanz, der meteorologisch-statistische Sommer läuft vom 01. Juni bis 31. August:

Mecklenburg-Vorpommern liegt zum heutigen Zwischenstand bei ca. 18,3 bis 18,4°C. Das wäre momentan Rang 8 in der Hitliste der wärmsten Sommer seit 1881, jedoch ziemlich deutlich unter dem Rekordhalter 2018 (19,2°C) sowie auch 2019 (19,1°C). Ebenso 2003, 2006 und 2022 dürften schwer noch einzuholen sein. Dennoch ist es ein warmer Sommer mit positiver Abweichung von knapp einem Grad zur neueren Klimaperiode 1991-2020 (17,4°C). Die genaue Platzierung hängt vor allem noch von der unsicheren Wetterentwicklung in der dritten und letzten Augustdekade ab.


Die folgende Karte von Kachelmannwetter.com ermöglicht eine Einordnung für alle Bundesländer. Dargestellt ist die Abweichung der Mitteltemperatur des diesjährigen 2026er-Sommer zum bisherigen Rekordsommer. Alle rosa eingefärbten Bundesländer (jene mit positiver Abw.) haben ihre bisherige Höchstmarke nach jetzigem Stand übertroffen. Dies betrifft Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Dort wird 2003 als Maß aller Dinge voraussichtlich abgelöst.

Quelle: Kachelmannwetter, https://kachelmannwetter.com/de/klima/flaechenmittel?variable=tlmean_avg&source=seasonal_data_new&year=2026&season=summer&mode=diff_record_max

Die Karte zeigt auch: Je weiter nach Nordosten, desto mehr fehlt zur Höchstmarke (negative Abw.) – in Schleswig-Holstein und MV ist dies nicht 2003, sondern 2018. In Brandenburg beispielsweise ist 2019 der Rekordhalter und 2026 liegt aktuell 1,03°C darunter.


Vertiefend der Blick auf die Anzahl der Sommertage (Tmax >= 25,0°C) und Hitzetage (Tmax >=30,0°C) bisher in 2026 für ausgewählte Stationen bei uns in Mecklenburg-Vorpommern und die Gegenüberstellung mit 2018 (wärmster Sommer in MV) – jeweils Zwischenstand nur bis 10. August zur besseren Vergleichbarkeit.

Wir erkennen rasch: Anders als im Süden und Südwesten, wo viele Rekorde purzeln werden, fällt im Nordosten der 2026er-Sommer gegenüber 2018 deutlich ab und kann zumindest flächig nicht mithalten. An der Elbe (Referenz Boizenburg) sind es bisher sogar 25 Sommertage weniger als 2018! In Vorpommern und an der Ostsee fällt der Unterschied beim Parameter Sommertage nicht ganz so groß aus, dort ist das Auftreten aber ohnehin seltener.

Bei den Hitzetagen ist die historische Landeshöchstmarke von 24 aus 2018 (Boizenburg/Teterow) – Zwischenstand 10.08. lag bei 23 in 2018 – ebenso weit entfernt. Feldberg/Mecklenburg hat mit 11 unter den DWD-Stationen in MV bisher am meisten, im Meteosol-Messnetz von Kachelmannwetter liegt Göhlen im LK Ludwigslust-Parchim bei 13.

Zur weiteren Einordnung der Werte aus der Grafik noch ein paar langjährige Klimawerte der Sommertags- (ST) und Hitzetagsanzahl (HT) (1991-2020). Insgesamt liegen wir im Bereich der Mittelwerte (bei Hitzetagen insgesamt darüber), allerdings sind im Extremfall bis Oktober auch noch Sommertage möglich. Somit kann hier noch keine abschließende Einordnung erfolgen.

Einige Küstenorte können dieses Jahr schon 1-2 Hitzetage mehr bilanzieren als 2018 (z.B. Boltenhagen 6 vs. 4). Der Grund liegt darin, dass dort nicht alleine die vorherrschende Luftmasse passen muss (also heiß genug sein muss), sondern vor allem die Frage nach Seewind oder Landwind entscheidend ist. 2018 waren die sehr warmen bis heißen Tage im Sommer durch die großräumige Positionierung der Druckgebiete öfters deutlich anfälliger für Seewind.


Abschließend noch eine Zusatzanalyse: Nicht nur dieser Sommer ist durch ein großes SW-NO-Gefälle bei der Temperatur gekennzeichnet. Wenn wir uns zurückerinnern: Schon im Winter hatten wir markante Temperaturgegensätze in Deutschland, im Februar fror die Ostsee vor der vorpommerschen Küste zu, während im Westen einige Orte nicht einen Dauerfrosttag erlebt hatten.

Ein Vergleich der Jahresmitteltemperatur zum Stand 10. August für alle Jahre seit 1951 untermauert es. Gewählt wurden die Station Schwerin (9,9 °C) und Saarbrücken-Ensheim (12,3°C). Über das bisherige Jahr hinweg gemittelt beträgt der Temperaturunterschied zwischen beiden Standorten somit 2,4°C. Klingt nun eventuell nicht viel und ja, es ist nach Südwesten grundsätzlich üblicherweise etwas wärmer – die Analyse der Zeitreihe belegt jedoch, dass es im ausgewerteten Zeitraum seit 1951 noch nie so große Unterschiede zwischen beiden Städten gab.


Finale Worte zum Sommer 2026 (unter gewissem Vorbehalt, der August kann hinten raus ja noch für Überraschungen sorgen): Für das Kabinett der ganz Großen reicht es bezogen auf Mecklenburg-Vorpommern und generell im N/NO Deutschlands nicht. Hier bleibt der 2018er bzw. 2019er Sommer das Maß aller Dinge und je nach weiterem Verlauf bis Augustende könnte 2026 auch noch aus der Top 10 der wärmsten Sommer herausfallen.

Dennoch: Es ist bei Weitem kein unterkühlter Sommer. Trotz des beschriebenen Witterungsverlaufs liegen wir ca. 1°C über der Klimaperiode 1991-2020 und auch die Sonnenscheindauer ist überdurchschnittlich.


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