Rückblicke und Analysen

Rückblick auf die kühle 1.Maihälfte in M-V

Pünktlich zur Kalten Sophie, dem abschließenden Tag der „Eisheiligen“ (11.bis 15.Mai) trat der womöglich letzte Frost in Mecklenburg-Vorpommern auf. Das ist natürlich Zufall, denn Wetter hält sich nicht an den Kalender und eine Häufung von Luft- und Bodenfrösten zu genau diesen Maitagen lässt sich statistisch nicht nachweisen. Die Eisheiligen haben ihren Ursprung in einer uralten Bauernregel aus der Zeit des Julianischen Kalenders. Durch die Kalenderreform von Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 wurde die Zeitrechnung jedoch um elf Tage vorgestellt. Seitdem leben wir mit dem Gregorianischen Kalender und die Eisheiligen wären mittlerweile in den Zeitraum 22.-26.05. einzuordnen. Dann ist erst recht nicht mehr mit erhöhter Wahrscheinlichkeit Kälte zu erwarten.

Der Mai ist ein Übergangsmonat und späte Einbrüche polarer Kaltluft, welche zu dieser Jahreszeit noch über dem hohen Norden lauern kann, kommen immer wieder vor. Vor allem in den ersten Tagen des Monats sind nächtliche (leichte) Minusgrade nichts Ungewöhnliches, sofern sich nicht eine Frostnacht an die nächste reiht. Grundsätzlich gilt: Am 01.Mai ist Frost am wahrscheinlichsten, am 31.Mai am unwahrscheinlichsten.


Blicken wir nun auf die Daten der Wetterstationen im Land:

In 10 Nächten der ersten Maihälfte trat innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns Bodenfrost auf. Das ist durchaus ein beachtlicher Wert. 7 Nächte brachten sogar leichten Luftfrost von bis zu -3 Grad. Besonders kalt waren die Nächte vom 04. zum 05., 07. zum 08. und 14. zum 15.Mai:

Quelle der Karten: Kachelmannwetter https://kachelmannwetter.com/de/messwerte/mecklenburg-vorpommern/tiefsttemperatur/20190505-0600z.html

Um die Werte in die Klimastatistik der Stationen einordnen zu können, müssen die 24-stündigen Tagesdaten verwendet werden. So kann eine Frostnacht zwei klimatologische Frosttage zur Folge haben, wenn vor 02:00 Uhr bereits Minusgrade auftreten. Als Bezugszeit für die Tageshöchst- und Tagestiefstwerte gilt 23:51 bis 23:50 UTC (= entspricht für unsere Zeitzone 01:51 -01:50 Uhr). Soweit die Theorie!

Die meisten Frosttage, nämlich sechs an der Zahl, verzeichnete die DWD-Wetterstation auf dem Flugplatzgelände in Barth (Nordvorpommern). Für den Standort ist das ein neuer Rekord für den Monat Mai, jedoch ist die dort 1947 beginnende Messreihe von 1958 bis 1975 unterbrochen.

Nur direkt an der Ostsee blieb es verbreitet frostfrei (in 2 m = offizielle Lufttemperatur).

Erwähnenswert ist zudem, dass kein einziger Tag die 20 Grad-Marke knackte.


Die tiefsten Tagesminima in 2m 01.-15.05.2019
-2,5°C Barth (15.05.)
-2,5°C Karlshagen/Usedom (05.05.)
-2,4°C Barth (05.05.)
-2,4°C Groß Lüsewitz (05.05.)
-2,0°C Laage/Flugplatz (05.05.)

Die tiefsten Tagesminima in 5 cm über Erdboden 01.-15.05.2019
-6,7°C Grambow-Schwennenz (05.05.)
-6,5°C Karlshagen/Usedom (05.05.)
-6,0°C Karlshagen/Usedom (08.05.)
-5,8°C Groß Lüsewitz (05.05.)
-5,6°C Trollenhagen (05.05.), Steinhagen-Negast (08.05.)

Höchste Anzahl Frosttage im Zeitraum 01.-15.05.2019
6 Tage Barth (Flugplatz)
Höchste Anzahl Bodenfrosttage im Zeitraum 01.-15.05.2019
10 Tage Barth (Flugplatz), Grambow-Schwennenz, Groß Lüsewitz, Tribsees


Auswertung Mitteltemperatur

Die tiefsten Mitteltemperaturen (Abweichung) 01.-15.05.2019
8,1°C (-2,4 K) Groß Lüsewitz
8,2°C (-2,5 K) Tribsees
8,3°C (-2,0 K) Barth (Flugplatz)
8,4°C (-2,4 K) Laage (Flugplatz)
8,4°C (-1,8 K) Steinhagen-Negast bei Stralsund

Das Gebiets-Monatsmittel für Mecklenburg-Vorpommern liegt vom 01.bis 15.Mai diesen Jahres bei 8,7°C. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum betrug der Wert 13,7°C. Am Ende des Monats stand fest: Es war der wärmste Mai aller Zeiten.

Rekordkühl präsentierte sich die erste Monatshälfte dennoch nicht. Eine (deutliche) negative Temperaturabweichung ist vorhanden, aber in einigen Jahren war diese noch größer. Zuletzt 2010, als das Landesmittel bis zur Monatsmitte lediglich bei 7,8°C lag.

Einordnung der Mitteltemperatur für die Station Schwerin (seit 1890)-
Die 10 kältesten ersten Maihälften:

5.5 °C 1902
6.2 °C 1941
7.2 °C 1909
7.8 °C 2010
8.2 °C 1897
8.4 °C 1991
8.5 °C 1980
8.6 °C 1982
8.7 °C 2019
8.7 °C 1979

=> Platz 9 in der Kältehitliste der letzten 129 Jahre

Beeindruckend kalt waren die Maimonate 1902 und 1941. Nicht auszudenken was wäre, sollte ein solches Kaliber heutzutage wieder auftreten.


Bei den Mitteltemperaturen der ersten Monatshälfte Mai 2019 fallen regionale Unterschiede auf. Im Binnenland liegen die Abweichungen (Vergleich zum langj. Mittel 1961-1990 für 1.Maihälfte) bei -2 bis -2,5 K, Richtung Elbe teilweise nahe -3 K. An der vorpommerschen Ostseeküste war es dagegen kaum kälter als der Referenzwert der Periode 1961-1990 angibt. Am Kap Arkona und auf der Greifswalder Oie gab es sogar leicht positive Abweichungen. Der Grund dafür ist die vergleichsweise milde Ostsee, deren Wassertemperaturen bereits um 10-12°C liegen. Dadurch wurde der Kälterückfall an der Küste abgemildert und bei den häufigen auflandigen Winden der vergangenen Tage sanken die Temperaturen nachts kaum ab. Der Winter war ein insgesamt milder und März sowie April ebenfalls überdurchschnittlich, sodass das Meerwasser nicht das kalte Niveau hatte, welches in vielen anderen kalten Mai-Monaten vorherrschend war.

Setzt man die bisherigen Durchschnittstemperaturen der Stationen in Bezug zum Gesamt-Monatsmittel Mai (wieder Periode 1961-1990) kommen Abweichungen zwischen -1 und -2 K entlang der Küste und rund -3,5 K bis -4 K im Binnenland zum Vorschein. Dieser Vergleich hinkt jedoch, denn die zweite Monatshälfte ist normalerweise immer milder als die erste. Trotzdem mal angenommen, der Mai wäre jetzt bereits zu Ende. Beispielsweise in Schwerin (Messhistorie seit 1849) würde dies den drittkältesten Mai hinter dem des Jahres 1876 und 1902 bedeuten. Als Vorpommern-Repräsentant sei noch Greifswald ausgewertet: Hier wäre es der zweitkälteste Mai in der Reihe seit 1898.

Die kältesten Maimonate in Schwerin- seit 1849
8.6 °C 1876
8.7 °C 1902
8.7 °C 2019- bis 15.05.
9.2 °C 1851
9.3 °C 1861,1864,1873,1874
9.5°C 1866,1871
9.8 °C 1962
9.8 °C 1991
9.8 °C 1955

Die kältesten Maimonate in Greifswald- seit 1898
8.9 °C 1902
9.0 °C 2019 – bis 15.05.
9.1 °C 1941
9.5 °C 1980
9.6 °C 1909
9.6 °C 1928
9.6 °C 1991
9.8 °C 1962
9.9 °C 1955
9.9 °C 2010

Fazit: Das Gefühl täuscht nicht! Der Mai 2019 ist bislang ein kalter Geselle, aber nicht rekordkalt.

Zum Wochenende wird es nun deutlich wärmer werden, vor allem mildere Nächte werden die Mitteltemperaturen dann steigen lassen. Allerdings: Sofern zum Monatsende nicht noch eine Hitzewelle Einzug hält, ist für Mecklenburg-Vorpommern in der Endabrechnung mit einer negativen Temperaturabweichung, sprich mit einem zu kalten Mai zu rechnen. Nach 13 zu warmen Monaten in Folge ist es auch an der Zeit dafür. Die Kälte als Indiz für zunehmende Extreme infolge des Klimawandels zu betrachten oder diesen aufgrund der unterdurchschnittlichen Temperaturen in Frage zu stellen, ist Blödsinn. Es ist einfach Wetter!


+++ Aktuelle Wetterinfos für Mecklenburg-Vorpommern und Warnungen bei markantem Wetter / Unwetter jederzeit auf Twitter unter https://twitter.com/meteoHRO +++

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