Jahresauswertungen Klimadaten & Rekorde

Jahresauswertung 2020 Warnemünde – viele Mildrekorde, durchschnittlich nass und sehr sonnig

Quelle: https://www.dwd.de/DE/wetter/wetterundklima_vorort/wetterkameras/wetter_cams.html
DWD-Wetterkamera Warnemünde, Aufnahme vom 16. Juni 2020

Mit einer Mitteltemperatur von 11,01°C wurde erstmals die 11-Grad-Marke erreicht und der Rekord aus dem Jahr 2019 direkt wieder um 0,17 K übertroffen. In zahlreichen weiteren Temperatur-Kategorien konnten Mild-Rekorde verbucht werden. In Sachen Winter und Kälte war 2020 absolut lächerlich und quasi ein Totalausfall. So lag das Jahresminimum bei lediglich -2,2°C und damit so hoch wie noch nie seit Bestehen der Wetterwarte (Tageswerte ab 1946). Zudem summierten sich nur 10 Frosttage, der bisherige Rekord von 19 Tagen mit Minusgraden aus 2007 wurde somit deutlich unterboten. Eistage (Dauerfrost) ereigneten sich überhaupt nicht, dies ist jedoch kein Novum. Auch 1974 und 2015 gab es kein einziges negatives Tagesmaximum.

Als Maß für die Strenge der Wintermonate nutzt der Meteorologe gerne die sogenannte Kältesumme. Sie ergibt sich aus der Addition aller Beträge negativer Tagesmitteltemperaturen. Die Kältesumme betrug im Ostseebad Warnemünde im Jahr 2020 exakt 0,0. Auch das ein Kunststück, was bislang in der 74-jährigen Historie der Warnemünder Wetterwarte noch nicht gelang.

So muss gerade dem Januar und Februar und damit dem sehr milden Winter 2019/20 der größte Anteil an der rekordmilden Jahresmitteltemperatur von 11,01°C zugeschrieben werden. Die Schneeglöckchen entwickelten sich schon im Januar prächtig. Der Sommer verlief nicht außergewöhnlich warm, auch die maximale Lufttemperatur von 31,7°C liest sich unspektakulär, ähnlich wie die Anzahl von 20 Sommertagen (Tmax ≥25,0°C) und 3 Hitzetagen (Tmax ≥ 30,0°C). Der erste Tag mit mindestens 25,0°C ließ lange auf sich Warten und konnte erst am 25. Juni registriert werden, der späteste Termin seit 2010. Eine hochsommerliche Phase mit bestem Strandwetter erstreckte sich dann vom 05. bis 22. August.

Leicht zu kühl im Vergleich zu den 30-jährigen-Referenzperioden 1981-2010 und 1991-2020 schlossen lediglich die Monate Mai und Juli ab.

Bei der Aufzählung neuer Temperatur-„Superlative“ sollte auch der in 2020 neu aufgestellte Januar-Rekord vom 15.01. (14,2°C) und die neue November-Höchstmarke vom 02.11. (20,0°C) nicht fehlen. Der 02. November erschien surreal warm und beinahe wie ein Spätsommertag.

Die Niederschlagsmenge von 602,8 l/m² liegt sehr nah am Sollwert des Klimamittels, sodass 2020 im Raum Rostock kein weiteres Trockenjahr war. Der nasseste Monat mit 97,4 l/m² war der Juni, während im niederschlagsärmsten Monat November nur 13,4 l/m² fielen. Erwähnt werden sollte außerdem der durch eine persistente Westlage geprägte Februar, welcher mit 83,8 l/m² (fast dreifache Menge ggü Klimamittel) als der nasseste Februar seit Beginn der Niederschlagsreihe im Jahr 1901 abschloss. Eine beachtlich hohe Tagessumme von 56,3 l/m² steht für den 26. August zu Buche, als sintflutartige Lake-Effekt- Regengüsse wie an einer Perlenschnur aufgereiht immer wieder von der Ostsee her auf Warnemünde trafen. Nur an sechs Tagen seit Beginn regelmäßiger Messungen im Jahr 1946 wurde bisher eine höhere Niederschlags-Tagesausbeute im Rostocker Ostseebad festgehalten. Im 6 h-Zeitraum errechnete sich für dieses Ereignis sogar ein Wiederkehrintervall / Jährlichkeit von 35 Jahren. Ein meteorologisches Highlight im ansonsten eher mauen Wetterjahr 2020, welches weder einen verheerenden Sturm, noch heftige Gewitter, gleißende Sommerhitze, geschweige denn nennenswerte Schneefälle zu bieten hatte.

Stichwort Schnee: Ähnlich wie bei der Kälte, gab es auch in dieser Disziplin nahezu nichts zu holen. An lediglich 12 Tagen des Jahres konnten Schneeflocken beobachtet werden, so wenig wie noch nie. Eine halbwegs geschlossene Schneedecke von etwa 1 cm gab es lediglich in den Morgenstunden des 30. März und 29. Dezember, wobei es bei letzterem Tag knapp für einen offiziellen Schneedeckentag zum Klimatermin um 06:50 Uhr reichte. Damit konnte ein weiterer Rekord gerade eben noch abgewendet werden. 0 Schneedeckentage in einem Kalenderjahr hat es nach dem Krieg in Warnemünde nicht gegeben.

Blitz und Donner stellten 2020 eine echte Rarität dar. Mickrige 10 Gewittertage wurden für 2020 notiert, wobei häufig nur ein entferntes Grummeln zu hören war.

Auch Nebel war selten und konnte an 21 Tagen beobachten werden.

Beim Sonnenschein lässt sich bilanzieren, dass mit 2020 (2052 Std.) das drittsonnigste Jahr seit 1947 hinter uns liegt. Nur 2018 (2187 Std.) und 1959 (2092 Std.) schien die Sonne noch länger. Der April steht mit 304,6 Sonnenstunden an der Spitze im Monatsvergleich. Ziemlich trüb kam der Dezember daher mit nur knapp 28 Sonnenstunden. Insgesamt zeigt sich die Sonne im Jahr 2020 an exakt 300 Tagen, ein Tag mehr als im Vorjahr.

Mit einem Jahresmittel von 4,7 m/s (= 17 km/h, Stärke 3) blieb das abgelaufene Jahr windtechnisch unauffällig und im Bereich des Klimawertes. Die Windspitze lag mit 107 km/h durch Tief Hanna am 12. März im orkanartigen Bereich (BFT 11). Schwere Sturmböen (BFT 10) konnten an drei Tagen gemessen werden.

Es ereigneten sich zwei leichte Sturmhochwasser am 29. März und am 14. Oktober mit Pegelhöchstständen von 1,16 m bzw. 1,19 m über normal. Am 27. Dezember sorgte stürmischer ablandiger Südwind für ein markantes Niedrigwasser. Der breite Sandstrand in Warnemünde wurde so zusätzlich um etliche Meter erweitert.


Mess- und Beobachtungsdaten zum Jahr 2020 / Wetterwarte Warnemünde


Diagramme 2020

  1. Temperaturverlauf

2. Vergleich Monatsdaten von Temperatur/ Niederschlag / Sonnenschein / Wind mit Klimamittelwerten der Referenzperioden

Auffällig ist direkt die besonders hohe positive Abweichung der „Mild-Monate“ Januar und Februar, danach folgen der November und August mit den größten prozentualen Abweichungen zum Klimamittel. Keine Monatsmitteltemperatur lag unterhalb der alten international gültigen Referenzperiode 1961-1990, der Mai und Juni jedoch unter dem Wert der Periode 1991-2020 und 1981-2010.
6 zu trockene Monate stehen 4 zu nasse Monaten gegenüber. Der September und Oktober lagen dagegen genau im Bereich der Mittelwerte.
Die sehr sonnigen Frühlingsmonate März und April stechen hervor, wobei letzterer der zweitsonnigste seit Messbeginn 1947 war.
Ab August waren alle Monate windärmer als im Durchschnitt. Der durch atlantisches Westwindwetter geprägte Februar brachte am meisten Starkwind.

3. Klimareihen von Warnemünde- aktualisiert mit den 2020er-Jahreswerten

Der im Vorjahr 2019 aufgestellte Rekord wurde sofort wieder einkassiert und auf 11,01°C hoch geschraubt. Das letzte Jahr mit einer Mitteltemperatur unter dem langjährigen Mittel war 2010.
Fast eine Punktlandung schaffte die Niederschlagsmenge 2020 in Warnemünde und ist nach zu trockenen Jahren 2018 und 2019 als völlig durchschnittlich anzusehen.
Der Trend zeigt nach oben: Das gleitende 30-Jahresmittel zeigt eine Zunahme der jährlichen Sonnenscheindauer. 2018 war das sonnigste Jahr seit 1947, 2020 nun auf Platz 3.

Weitere Zeitreihen meteorologischer Kenntage (Klick ins Bild)


Jahresrekorde von Warnemünde im Überblick

Wärmstes Jahr: 11,01°C (2020)
Kältestes Jahr: 6,44°C (1940)
Höchstes Tmax: 36,9°C (09.08.1992)
Niedrigstes Tmin: -18,4°C (16.02.1956)
Höchster Jahresniederschlag: 954,6 mm (2011)
Niedrigster Jahresniederschlag: 391,0 mm (1943)
Höchste Tagessumme Niederschlag: 111,4 mm (22.07.2011)
Größte Schneehöhe: 55 cm (14.01.1987)
Höchste Jahressonnenscheinsumme: 2187,3 h (2018)
Niedrigste Jahressonnenscheinsumme: 1456,6 h (1998)
Höchste Windspitze: 41,0 m/s (148 km/h) (13.11.1972)


Tweets vom Twitter-Wetterkanal zu besonderen Ereignisse in 2020 (chronologisch)

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