Feiertagswetter Vorhersage / Modellprognosen

Wetterkrimi zu Weihnachten – Luftmassengrenze mit Schnee und Minusgraden ab 25. Dezember ?

Es bleibt hochspannend in der Wetterküche über den Zeitraum der Weihnachtstage. Bis zum 24. Dezember sind die Aussichten mittlerweile recht einheitlich. Die aus Skandinavien momentan einfließende trockene Kaltluft kommt zur Ruhe und bei Höchstwerten von 0 bis 4°C und leichtem Frost in den Nächten streifen M-V höchstens schwache Tiefausläufer, welche für wenige Flocken, an der Küste auch Tropfen sorgen können.

Am Donnerstag (23.12.) beginnen die ersten Unsicherheiten: Ein kleines Tief über der Nordsee schickt womöglich Niederschlagsfelder zu uns in den Nordosten und bei Temp. um 0°C wäre eine erste Schneedecke möglich. Allerdings drückt mit einer Warmfront bereits mildere Luft von Südwesten dagegen. An Heiligabend lassen dann einige Modelle die milde Luft nach Norden hin bis zur Ostsee durchpreschen. Für die Weihnachtstage bleibt daraufhin die große Frage, ob die Tiefs auf dem Atlantik die Oberhand gewinnen, oder ob wie aktuell z.B. vom amerikanischen Modell favorisiert, am 25. Dezember die Winterluft von Dänemark her wieder großflächig M-V fluten kann und sich im Übergangsbereich eine markante Luftmassengrenze aufbaut. Dies wird von den Wettermodellen immer noch sehr unterschiedlich bewertet.

Die folgende Abbildung zeigt die Hauptläufe für die Lufttemperatur von verschiedenen Wettermodellen am Standort Rostock. Am 24. Dezember ist relativ eindeutig ein „Mildbuckel“ zu erkennen, zum 1. und 2. Weihnachtsfeiertag wollen es fast alle Vertreter momentan wieder kalt mit Werten um 0°C oder teils deutlich unter dem Gefrierpunkt.

Quelle: https://kachelmannwetter.com/de/vorhersage/2844588-rostock/xltrend

Entscheidend ist vor allem auch die Lage einer möglichen Luftmassengrenze (LMG). Positioniert sich diese eher über der Mitte von Deutschland, so bliebe Mecklenburg-Vorpommern zwar auf der kalten und frostigen Seite, würde jedoch die Schneefälle verpassen, welche sich unmittelbar an der Nordkante der LMG ereignen. Eine solche Variante berechnet aktuell das US-Modell, MV läge dann zu weit nördlich und der Streifen mit großen Neuschneemengen erstreckt sich südlicher. Im Bereich des Harzes würden, hypothetisch vorausgesetzt es käme so, bis zu einem halben Meter Schnee runterhauen.

US-Modell vom 20.12.2021 (6z)

Das europäische Wettermodell (ECMWF) sieht die Lage der Luftmassengrenze zum 25./26. Dezember dagegen etliche Kilometer weiter im Norden und beließe lediglich den äußersten Nordosten Deutschlands, etwa von Flensburg bis Usedom, in winterlichem Gewand. Ab dem 27. Dezember hätte „Mild“ dann auch hier gewonnen und die Winterluft würde sich nach Skandinavien zurückziehen.

ECMWF-Modell vom 20.12.2021 (0z)

Tendenziell kann bereits für die gesamte Bundesrepublik gesagt werden, dass es im Süden und Südwesten sehr viel wahrscheinlicher (nahezu sicher) ist, dass sich die mildere Luft durchsetzt als im Norden von Deutschland. M-V hat von allen Bundesländern die höchsten Wahrscheinlichkeiten für kalte und auch weiße Weihnachten. Die Gemengelage und das Gerangel der Luftmassen ist sehr komplex, sodass die Modelle noch große Schwierigkeiten haben, ein klares Bild zu zeichnen.

Hier noch eine Karte für die mutmaßliche Wetterlage am 25. Dezember über Mitteleuropa. Zwei große Tiefdruckgebiete sind die Hauptakteure, eins draußen auf dem Atlantik und das andere über Skandinavien und dem Nordwesten Russlands. Die Pfeile verdeutlichen, welche Luftmassen grob betrachtet wohin geschaufelt werden. Der Kampf winterlich-kalt (blau) gegen feucht-mild (orange) ist die Folge.

erstellt von Kachelmannwetter , Quelle: https://wetterkanal.kachelmannwetter.com/wetter-weihnachts-krimi-geht-in-neue-runde-zwischen-schneechaos-und-milder-luft/

Zur genaueren Betrachtung als Nächstes der Blick auf die sogenannten Vorhersage-Ensembles vom europäischen und amerikanischen Wettermodell für die Lufttemperatur in Rostock (Rechnungen 20.12.2021 0z/6z). Dabei werden bis zu 50 verschiedene Varianten eines Modells betrachtet, welche durch Änderung der einfließenden Antriebsdaten erzeugt werden und bezüglich einzelner Einstellungen der Modellphysik und/oder Anfangsbedingungen eine Modifizierung erfahren. Dadurch erhält man eine Spannweite an möglichen Lösungen und kann besser einschätzen, welche Wetterentwicklungen wie wahrscheinlich sind.

Die Mehrheit der Läufe vom aktuellen europäischen Modell (ECMWF) verbleiben für den 25. und 26. Dezember im kalten Bereich um bzw. unter 0°C (siehe Linien und Mittelwert), danach Tendenz zur Milderung. Der Hauptlauf (schwarze Linie) ist jedoch weit oben, viele Lösungen im Modellpool fahren eine kältere Schiene. An Heiligabend zuvor favorisiert das Modell mehrheitlich die vorübergehende Milderung mit kurzzeitig deutlichen Plusgraden.

Das amerikanische GFS-Modell sieht insgesamt auch noch unentschlossen aus und zeigt (noch) ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Das Ensemble-Mittel für den Mittag des 1. Weihnachtsfeiertages liegt bei etwa 0°C.


Abschließend noch die Karte mit der frisch berechneten Wahrscheinlichkeit für eine Schneehöhe > 2 cm am 2. Weihnachtsfeiertag (26.12., 13 Uhr) nach dem ECMWF-Modell. Nach momentanem Stand hätte der 26. Dezember von den drei Weihnachtstagen das größte Potenzial für eine Schneedecke. Von Rostock bis Greifswald und Usedom liegt jene bei 60-70 %.

Quelle (nur mit Abo abrufbar): https://kachelmannwetter.com/de/modellkarten/euro/2021122000/mecklenburg-vorpommern/schneehoehe-wsk-2cm/20211226-1200z.html

Wer auf Flockenwirbel und weiße Landschaften zum Fest hofft, braucht also die Hoffnung noch nicht begraben. Gestern sah die Lage in den Wettermodellen noch deutlich milder und schneefeindlicher aus, als zum jetzigen Stand. Doch bereits heute Abend kommen die neu berechneten Karten rein und alle Meteorologen und Wetterenthusiasten sind gespannt auf ein neues Kapitel in diesem Wetter-Weihnachts-Krimi, der es wirklich in sich hat.

Dazu abschließend noch die treffenden einleitenden Worte des heute für die synoptische Mittelfrist verantwortlichen DWD-Meteorologen Jens Hoffmann ;-):

“ Mann oder Frau können es drehen und wenden wie sie wollen, die Weihnachtsprognose bleibt in diesem Jahr eine Herausforderung der besonderen Art. Man wird den Gedanken nicht los, dass Petrus die gesamte Meteorologenschaft ausgerechnet zum Fest – mal wieder, möchte man sagen – mit dem Nasenring durch die Manege ziehen will. Von regionalen Schneefällen der fettesten Sorte über Glatteis und normalen Regen bis hin zu „Null-Acht-Fünfzehn“, dazu noch ´ne Prise Wind oder Sturm – alles drin. Das Schlechte dabei: Auch heute, nur wenige Tage vorm Fest, weiß noch immer keine Sau, wo genau es wie wird. Das Gute dabei: Es stehen uns einige spannende Tage bevor.“

Quelle: https://www.dwd.de/DE/fachnutzer/hobbymet/wetter_deutschland/_functions/PlainTeaser_synUebersichten/nas_bericht_syn_ueb_mittelfrist.html

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